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Social Media Recruiting am POS: Mit der Integration von Eqipia, Facebook, Linkedin, Skype und Xing bei Bewerbern punkten

23. Juli 2012

Stellen Sie sich mal vor, Sie wollten sich bei einem Unternehmen bewerben. Sie entdecken eine Stellenanzeige und gehen dann auf die Karriere-Website (die hoffentlich vorhanden ist), informieren sich über das Unternehmen (diese Informationen sind hoffentlich auf einen Blick vorhanden) und vielleicht erfahren Sie sogar, was das Unternehmen als Arbeitgeber ausmacht (und glauben Sie mir, dafür müssen Sie keine wie auch immer geartete „Employer Brand“ kreieren oder entwickeln (lassen) – eine Arbeitgebermarke kann man nicht entwickeln, sie ist da) und wer Ihre zukünftigen Kollegen sind. Zum Beispiel in Form von Testimonials (aber bitte echte, von Mitarbeitern erstellte und nicht von der Unternehmenskommunikation in PR-Tonalität abgefasste Bulletpoints – was glauben Sie, wirkt glaubwürdiger?), Fotos oder Videos. Das wäre so ziemlich der Idealfall.

Xing und Linkedin in Karriere-Website integrieren

Ergänzend wäre es aber auch möglich (wer clever ist und ein bisschen mitdenkt macht es auch so), wenn Sie bspw. am POS (Point of Sale; in diesem Falle Ihre Karriere-Website, denn Sie wollen ja gewissermaßen Ihre Arbeitsplätze „verkaufen“) auf das Xing-Unternehmensprofil oder die eigentlichen Mitarbeiterprofile bei Xing oder Linkedin verlinken, so dass Ihre Bewerber die Möglichkeit haben, sich einen ersten Eindruck von den neuen Kollegen zu verschaffen und direkt mit ihnen Kontakt aufzunehmen (ich höre jetzt schon die ersten Aufschreie: „Wie, mein Xing-Profil verknüpfen, das ist doch privat, außerdem will ich doch keinen Kontakt zu Bewerbern“ oder „Ich zeige doch nicht meine Mitarbeiter, da haben es die Headhunter ja noch viel leichter, die Personen zu identifizieren!“. Ja, mag sein. Aber glauben Sie wirklich, dass Headhunter nicht auch ohne Xing die richtigen Mitarbeiter identifizieren? Und dass der, der sich ohnehin mit der Absicht trägt zu gehen, so oder so empfänglich ist für mögliche Abwerbeversuche? Und umgekehrt eben nicht empfänglich, wer ein loyaler und zufriedener Mitarbeiter ist (und dass dem so ist, liegt ganz an Ihnen :-))?).

Insofern gehen Unternehmen wie Fresenius oder auch SMA, die ihre Karriere-Website mit dem Unternehmensprofil auf Xing verknüpft haben, mit gutem Beispiel voran (wenn man das meines Erachtens auch noch besser machen könnte). Hier habe ich als Bewerber die Möglichkeit, mir anzuschauen, wer meine künftigen Kollegen sind und kann bereits im Vorfeld Kontakte knüpfen. Meines Erachtens ein wichtiger Aspekt: Denn je besser ein Bewerber im Vorfeld informiert ist – und das betrifft nicht nur das Unternehmen, den Arbeitgeber und den Arbeitsplatz, sondern auch die zukünftigen Kollegen – umso besser wird im Idealfall die Qualität der Bewerber sein – also die, die wirklich zum Unternehmen passen. Denn Sie wollen ja nicht möglichst viele, sondern möglichst die passenden. Oder irre ich mich da und betrifft das „Möglichst-Viele-Phänomen“ nicht nur die Anzahl (gekaufter oder via überflüssige Gewinnspiele gewonnener) Fans und Follower, sondern auch die Anzahl der Bewerber?

Integration von Xing am Beispiel Fresenius

Integration von Xing am Beispiel Fresenius

Alternativ kann man es auch so machen, wie die Hypovereinsbank. Hier bekomme ich als Bewerber gleich auf den ersten Blick vermittelt, wer meine jeweiligen Ansprechpartner sind und kann mich auch direkt via Xing oder Linkedin mit den jeweiligen Personen connecten (auch hier sei der Hinweis erlaubt, dass der Ansatz zwar gut ist, die Karriere-Website an sich aber doch Optimierungspotenzial aufweist).

Verknüpfung der Recruiterprofile mit Xing und Linkedin am Beispiel Hypovereinsbank

Verknüpfung der Recruiterprofile mit Xing und Linkedin am Beispiel Hypovereinsbank

Einen Schritt weiter geht hier sogar die MSL Group, hier steht der „Head of Human Resources“ nicht nur via Xing und Linkedin zur Verfügung, man kann ihn sogar via Skype erreichen (leider war er zum Zeitpunkt des Schreibens nicht online, da würde man das Ganze noch besser erkennen können. Übrigens ist er wirklich ansprechbar, wenn er online, also „grün“ ist).

Wie wäre es, den Recruiter direkt via Skype zu kontaktieren?

Wie wäre es, den Recruiter direkt via Skype zu kontaktieren?

Schöner Ansatz, dazu wünsche ich mir mal einen Blogartikel auf „Mein Freund die Arbeitgebermarke“! 😉 Übrigens wurde bei MSL gerade ein Whitepaper zur Nutzung von Linkedin veröffentlich. Das aber wirklich nur ganz am Rande!

Eqipia lanciert die nächste Generation Jobinserate: Das Team im Mittelpunkt

Aber es geht noch einfacher! Wie wäre es denn, wenn ich als Bewerber schon in der Stellenanzeige sehen könnte, mit wem ich es zu tun habe? Wie mein künftiges Team, meine künftigen Kollegen aussehen? Geht nicht gibt’s nicht. Und wer immer noch behauptet, die Schweizer seien in Sachen Social Media rückständig, dem seien nun zum zweiten Mal nach den legendären Hier-bewirbt-sich-der-Chef-Videos nun die Hier-stellt-sich-das-Team-vor-Stellenanzeigen präsentiert. Worum geht’s?

Eigentlich doch ganz einfach: Vieles, was als Social Media Recruiting angepriesen wird, hat mit Social Media oftmals recht wenig zu tun. Was ist für mich als Bewerber besonders interessant, was durch Social Media geleistet werden könnte (wir erinnern uns, Facebook ist nicht jedermanns Sache – sei es auf Seiten der Bewerber, die Angst vor der Verletzung ihrer Privatsphäre haben und lieblos gestaltete Karriere-Pages schnell als weiteren Marketingkanal enttarnen oder auf Seiten der Personaler, die mit Social Media Engagement oftmals überfordert sind – sei es, weil sie nicht die notwendigen Ressourcen haben oder das Prinzip „Dialog“ nicht verstanden haben)?

Da wäre es doch interessant zu wissen, mit wem man zukünftig im Team arbeitet, welchen Background die künftigen Kollegen haben (vielleicht ergeben sich ja über den Job hinaus Gemeinsamkeiten?) und ob man vielleicht jemanden aus dem Team kennt, z. B. indirekt über sein Netzwerk auf Xing oder Linkedin (ganz zu schweigen von Facebook)?

Im klassischen Bewerbungsprozess lernen Sie als Bewerber in der Regel erst ganz am Schluss und nach mehreren Gesprächen Ihre potenziellen Kollegen kennen. Wie aber wäre es, wenn man es sofort quasi via Stellenanzeige kennen lernt? Eqipia, ein neues Portal aus der schönen Schweiz macht eben genau dieses möglich. Das Tool zeigt nämlich das Profil der Mitarbeiter und darüber hinaus auch die Verbindungen zu diesen Mitarbeitern. Schließlich enthalten die Profile in Social Networks (so sie denn gewissenhaft gepflegt sind :-)) heute bereits alle relevanten Informationen wie Funktion, vorherige Stellen, Ausbildung, aber auch Hobbys oder Ähnliches. Eqipia aggregiert nun eben diese Daten zu einem Team-Portrait mit relevanten Informationen für den potenziellen Bewerber. Wie das Ganze ausschaut, kann man sich einmal an folgender Stellenanzeige vor Augen führen (auch wenn es Sie irritiert, dass es sich um einen Prospective-Link handelt, es geht um eine Stellenanzeige von KPMG. Auch so eine, den Bewerber irritierende Darstellung, könnte man optimieren. Ebenso wie man sich fragen könnte, warum die Ausschreibung in Deutsch ist, die Bewerbungsprozedur aber in Englisch abläuft… Aber gut, so etwas wäre Stoff für einen eigenen Artikel, das lassen wir heute mal außen vor ;-)).

Eqipia - nächste Generation Jobinserate. Stellenausschreibung mit Integration des Teams am Beispiel KPMG Schweiz

Eqipia – nächste Generation Jobinserate. Stellenausschreibung mit Integration des Teams am Beispiel KPMG Schweiz

Auf diese Weise bekommen Ihre Bewerber ein umfassendes Bild von den Kollegen von morgen und können erste Kontakte knüpfen. Und das schon VOR dem eigentlichen echten Kennenlernen. Auf diese Weisen kann wie oben schon beschrieben die Qualität der Bewerbungen definitiv gesteigert werden. Ein Aspekt, der meines Erachtens nicht oft genug betont werden kann.

Für die Recruiter selber ist die Administration ein Kinderspiel: Sie können zu jeder offenen Stelle ein Team anlegen und dem Bewerber seine künftigen Kollegen präsentieren: Dazu geben sie in einem Suchfeld die Namen der Team-Mitglieder ein, das Tool durchsucht die sozialen Netzwerke und der Recruiter kann mit Drag & Drop in wenigen Sekunden das Team abbilden.

Eqipia Admin - Übersicht der freizugebenden Informationen auf Facebook, Linkedin oder Xing.jpg

Eqipia Admin – Übersicht der freizugebenden Informationen auf Facebook, Linkedin oder Xing

Zudem können auch noch eine Beschreibung des Teams sowie Fotos, bspw. von Team-Events, hochgeladen werden. Die Mitarbeiter erhalten anschließend per Mail einen Link zu ihrem Profil auf Eqipia, in dem sie selber definieren können, welche Informationen sie über sich veröffentlichen wollen (z. B. Interessen, Organsiationen, Position etc.). Dabei nutzt Eqipia offene Schnittstellen zu Facebook, Xing und Linkedin: Der Mitarbeiter verbindet sich einmalig mit den Netzwerken, wählt die entsprechenden Informationen aus und das Tool synchronisiert im Anschluss die Daten automatisch. Wechselt also bspw. ein Team-Mitglied auf Xing sein Profilfoto, ist dieses auch gleich bei Eqipia online. Außerdem sieht der Besucher des Teamprofils seine gemeinsame Kontakte mit den Mitgliedern des Teams. Der Bewerber selber kann sich bei dem Netzwerk seiner Wahl einloggen und bekommt dann die Kontaktpfade zu den einzelnen Teammitgliedern angezeigt.

Ein gelungener Ansatz (noch in der Beta-Version), den man auf jeden Fall im Auge behalten sollte. Wer sich das Ganze einmal live und in Farbe anschauen will, kann das bei einigen Stellenanzeigen der KPMG Schweiz tun. Hier setzt man seit einigen Wochen auf das Equipia-Pferd. Ich bin gespannt, wann andere nachziehen.

Für welche Methode Sie sich auch entscheiden, eins sollte klar sein. Ob mit der Vorstellung Ihres Teams à la Eqipia, einzelner Kontakte oder sämtlicher (auf Xing versammelter) Mitarbeiter und/oder der Kontaktmöglichkeit via Skype, punkten Sie beim Bewerber, schaffen Sie Vertrauen und erleichtern Sie die Kontaktaufnahme. Es lohnt sich!

100 Prozent DU. 100 Prozent Peinlich. 100 Prozent Ausbildungsmarketing zum Fremdschämen.

20. Juli 2012

Hatte ich eigentlich schon mal meine Meinung kund getan, was ich so von Gewinnspielen auf Facebook halte? Hm, ich bin mir nicht sicher. Und hatte ich eigentlich schon mal peinliche Karriere-Auftritte auf Facebook präsentiert, bei denen sich Unternehmen zum Horst machen bzw. mit ihren Aktionen hundertprozentig danebenschießen?

Ich weiß, der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Aber manchmal weiß der Köder einfach nicht, auf was er sich da einlässt und der Angler hat zuweilen nicht einen Schimmer davon, welchen Köder er da eigentlich auswirft. Wie zum Beispiel in diesem Musterbeispiel schlechten Ausbildungsmarketings.

Es geht mal wieder um ein Gewinnspiel auf Facebook Karriereseiten. Dieses Mal kann man leider kein iPad gewinnen, „nur“ ein schnödes professionelles Shooting für Bewerbungsfotos (das mag auch das verhaltene Interesse erklären, so ein Apple-Produkt ist ja viiiiel cooler). Um was geht es? Eigentlich ganz einfach: Hintergedanke bei der ganzen Aktion ist der, dass das Unternehmen, welches ich hier freundlicherweise nicht nennen werde, eben nicht Interesse an Noten und Leistungen der händeringend gesuchten Azubis hat, sondern vielmehr der Mensch mit seinen Hobbys und Leidenschaften im Mittelpunkt steht. Die interessierten Fans haben nun die Möglichkeit, in dieser Gewinnspiel-App ihr Hobby und/oder ihre Leidenschaft mit der Facebook-Community und dem Unternehmen zu teilen. Das ist ja an sich schön gedacht.

Mitmachen bei 100 Prozent Du? - Besser nicht!

Mitmachen bei 100 Prozent Du? – Besser nicht!

Aber leider nicht zu Ende. Schließlich machen sich die Teilnehmer hier zum Vollhorst und erregen mit ihrem fragwürdigen Auftritt eher Mitleid oder ein Kopfschütteln, als dass sie Interesse wecken und zum Mitmachen animieren (ja, ich weiß, das machen ohnehin schon viele Leute auf Youtube & Co. Problem ist nur, dass viele einfach nicht wissen, was sie da eigentlich tun und vor sich selbst geschützt werden müss(t)en. Aus diesem Grunde finde ich diese Aktion nicht nur peinlich, sondern eigentlich sogar unverantwortlich. Wenigstens eine kritische Überprüfung bzw. bessere Auswahl der Beiträge sollte erfolgen (das hat mir bei einigen Beiträgen definitiv nicht den Anschein, würde aber im Zweifelsfall auch dazu führen, dass dann gar kein Beitrag mehr dort erscheinen würde. Dann doch lieber so und auf dem Rücken der Dummen, scheint mir allerdings die Devise).

Zwei Dinge könnten das Ganze vielleicht ein wenig relativieren. Zum einen sind die Nutzer (zu ihrem Schutz???) nicht mit vollem Namen ersichtlich, zum anderen bietet zumindest Youtube jetzt die Möglichkeit, Personen in Videos zu verpixeln. Wer nämlich Filme dort hochlädt, kann Gesichter darin unkenntlich machen. Auf diese Weise sollen zum Beispiel Kinder besser geschützt werden (oder sagen wir so: Im Idealfall werden sie vor sich selbst geschützt ;-)).

Auch Facebook Ads bringen die Aktion nicht ins Rollen

Auch Facebook Ads bringen die Aktion nicht ins Rollen

Die Aktion startete am 5. Juli, die Reaktion ist, wie oben schon geschrieben, bis dato sehr verhalten. Von über 5.000 Fans waren bis dato erst fünf bereit, sich zum Vollhorst zu machen und sich mit peinlichen Posts einem Millionenpublikum zu präsentieren. Auch das Schalten von Facebook Ads hat da scheinbar nicht den gewünschten Erfolg. Mag sein, dass das an der Ferienzeit liegt, ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass es dabei bleibt und sich die Nutzer (und uns) weitere Fremdschäm-Aktionen dieser Art ersparen. Zwar dauert das Gewinnspiel noch bis zum 26. Juli, allerdings behält sich das Unternehmen vor, „das Gewinnspiel „100% Du“ aus sachlichem Grund jederzeit ohne Vorankündigung abzubrechen, zu unterbrechen oder zu beenden.“ Hoffen wir’s.

Auch wenn der Hauptschuldige immer in der ausführenden Agentur zu finden ist, letztendlich ist der Auftraggeber, der solchen Rohrkrepierern sein OK gibt, verantwortlich für solche Kampagnen. Und da dieses Unternehmen ja demnächst 2.000 Stellen abbauen will, sind vielleicht auch schon die ersten gefunden, bei denen man anfangen könnte.

Suppenreporter Robindro Ullah zum Recruiter 2.0, zu Gewinnspielen auf Facebook Karriereseiten und Pinterest als Personalmarketing-Instrument

19. Juli 2012

Ich hoffe doch, dass Sie mittlerweile alle Ihre Privatsphäre-Einstellungen angepasst haben. Heute gibt’s mal wieder ein Interview. Und bevor Sie nun sagen, oh nein, nicht schon wieder so ein langweiliges Interview, da kann ich doch auch andere Blogs lesen – gemach, gemach! Wenn Sie nun zudem lesen, mit wem das Interview ist, werden Sie wahrscheinlich denken, och nö, nicht auch noch hier.

Robindro Ullah

Robindro Ullah

Aber ganz ehrlich, Robindro Ullah ist nun mal derjenige welche wo damals in Deutschland einen drögen (Achtung, subjektiver Eindruck!) und in der Kundenbeliebtheit nicht gerade weit vorne stehenden Konzern personalmarketingtechnisch in die Schlagzeilen gebracht hat. Positiv allerdings. Er brachte das Personalmarketing der Bahn nämlich 2008 via Twitter zu den Bewerbern. Aber auch so probiert er immer wieder viel aus, z. B. experimentierte er mit Foursquare oder mit so genanntem „Poken“ (nie gehört? Tja, ist wohl auch so ziemlich in der Versenkung verschwunden). Darüber hinaus schätze ich ihn sehr als kritikfähigen und konstruktiven Vertreter seiner Zunft. Und als ich ihn neulich einmal in Wiesbaden traf, bot es sich an, ihn zu seinem neuen Job als „Recruiter 2.0„, zu Gewinnspielen auf Facebook, zu Pinterest und zum Erfolg eines Engagements als Arbeitgeber im Social Web zu befragen.

Auch ist Robindro Referent beim „Praxisseminar Recruiting 2013“ in Hamburg (leider ausgebucht), ausgerichtet von Recrutainment-Legende Jo Diercks (Cyquest) und dem Vater von CandidateReach, Wolfgang Brickwedde (ICR), die ich ebenso schätze. Darüber hinaus prägte er den Begriff der Suppentheorie (die Suppe oder der Mikrokosmos, in dem wir Blogger und ein Bruchteil deutscher Personaler, die alle zusammenglucken und so tun, als wenn Social Media Personalmarketing schon überall angekommen wäre, es aber letztlich noch in den Kinderschuhen steckt), bloggt unter dem Namen „Employer Branding von morgen“ und lanciert hier die Rubrik „Suppenreport“ (wird nur noch übertroffen von Jannis Tsalikis mit seinem Blog „Mein Freund die Arbeitgebermarke„). Für alle, die in Hamburg nicht dabei sein können, hier noch der Hinweis auf mein in Kooperation mit dem Forum Institut für Management durchgeführtes Seminar zu Social Media Personalmarketing am Folgetag. Es ist Auftakt für ein dreiteiliges Seminarkonzept. Noch sind Plätze frei!

Und falls Sie nun wirklich absolut kein freies Plätzchen mehr ergattern können, einen kleinen Ausblick auf das, was uns Robindro in Hamburg erzählen wird. Enjoy!

personalmarketing2null: Robindro, du leitest sei Kurzem in München den Bereich Personalmarketing und Recruiting Süd der Deutschen Bahn. Deine Aufgabe u. a. die Mitarbeiter fit im Recruiting 2.0 zu machen. Was sind die Hintergründe, diese Abteilung ins Leben zu rufen?

Robindro: Die Gründe sind schnell erklärt. Die Deutsche Bahn sucht in den kommenden Jahren jährlich ca. 7.000 – 8.000 neue Mitarbeiter – überwiegend in technischen Bereichen. Die wachsen derzeit leider nicht auf den Bäumen. Hier haben wir es daher für notwendig erachtet, eine entsprechende Personalgewinnungsorganisation aufzubauen, von der München nur einen Teil ausmacht. So gibt es weitere regionale Einheiten, so wie meine.

personalmarketing2null: Nun ist Recruiting 2.0 ja ein dehnbarer Begriff. Was genau verbirgt sich dahinter, was steht hinter diesem Paradigmenwandel und welche Aufgaben haben die Recruiter konkret?

Robindro: Im Grunde gefällt mir der Begriff Recruiter 2.0 nicht sonderlich gut. Mit der 2.0 verbinden viele lediglich die Neuerungen im Bereich Social Media Recruiting. Natürlich gehört die Klaviatur des Social Media Recruitings standardmäßig zum Portfolio des neuen Recruiters. Für mich ist der Recruiter 2.0 aber deutlich mehr. Neben der sehr hohen Technikaffinität, die die Person mitbringen muss, brauchen wir Recruiter, die ihren Job als Begeisterer verstehen. Die Alternative eines Bewerbers ist aktuell nicht mehr „kein Job“ sonder „mehrere andere Angebote“. Es geht hier also darum, den Funken überspringen zu lassen und das mit Herzblut. Des Weiteren sehe ich eine hohe Kommunikationskompetenz. Nicht nur in der direkten Face to Face-Interaktion mit potenziellen Bewerbern muss sich der Recruiter professionell bewegen können, er muss auch die Sprachen der gängigen Netzwerke beherrschen. In diesem Zusammenhang kommt dann das mittlerweile etwas verbrauchte Schlagwort Storytelling ins Spiel, was ebenfalls zum Repertoire des Recruiters von morgen gehören sollte. Hier gehe ich gern noch einen Schritt weiter, denn mir reicht es nicht, dass er Geschichten erzählen kann. Mir ist es wichtig, dass er ein Auge für die richtigen Geschichten bekommt. Der Recruiter muss in der Lage sein, die guten Geschichten/die kleinen Diamanten des Unternehmens zu identifizieren und zeitnah zu transportieren und das jeweils über das richtige Medium. Wir sprechen hier in Summe von einem sehr proaktiven Jobprofil, sowohl nach außen als auch nach innen. Also, wie du siehst, hätte ich gern die Wollmilchsau.

personalmarketing2null: Ich stimme dir in allem, was du sagst, zu. Leider wird das aber bisher viel zu wenig verinnerlicht. Mit welchen Maßnahmen wollt ihr die neuen Mitarbeiter denn dann künftig erreichen? Direktansprache via Xing? Oder Linkedin?

Robindro: Die Direktansprache ist einer von vielen Bausteinen. Ein ganzheitliches Konzept liegt der Ansprache zu Grunde. Uns ist insbesondere der persönliche Kontakt zur Zielgruppe wichtig. Zwar bin ich grundsätzlich sehr offen für die neuen Medien, denke aber dennoch, dass die Ansprache zielgruppengerecht erfolgen muss. Den richtigen Mix zu finden und anzuwenden wird die Herausforderung. Was konkrete Beispiele angeht, musst du dich leider noch etwas gedulden – aber du wirst davon hören/lesen – vielleicht schon in Hamburg.

personalmarketing2null: Und wie siehst du in diesem Kontext Facebook? Viele sehen darin ja ein weiteres Recruiting-Tool. Was meinst du dazu – eignet sich Facebook überhaupt als Recruiting-Kanal?

Robindro: Nach wie vor halte ich Facebook für ein hervorragendes Personalmarketing-Instrument, was aber wie die meisten anderen Kanäle nicht leicht zu bedienen ist. Vielleicht sollte man das mal anders betrachten: Schlittschuh können viele laufen, aber was ich auf Facebook sehen will, ist Eiskunstlauf. Zur Rekrutierung halte ich das Tool noch nicht für geeignet. Klar gibt es Ausnahmen, aber die Stärken von Facebook liegen in anderen Bereichen.

personalmarketing2null: Nun zu einem meiner Lieblingsthemen 🙂 – Was hältst du persönlich eigentlich davon, wenn Unternehmen mit aller Gewalt versuchen Fans via Gewinnspiel auf ihre Faceboook-Karriereseiten zu locken? Meinst du, dass das den Unternehmen – im Hinblick auf Employer Branding bzw. Personalmarketing – etwas bringt?

Robindro: Nichts bzw. nein. Ich lehne Gewinnspiele nicht per se ab, aber wenn man eins machen will, sollte es Karrierebezug haben. Verlosung von iPads und Apple-Produkten zieht meiner Meinung nach keine nachhaltige Fanbase heran. Das kann man sicherlich nicht pauschalisieren, aber als Recruiter hat man doch einen gewissen Anspruch oder – ich sage mal – eine „Recruiterehre“, die mich dazu antreibt mit den inneren Werten eines Unternehmens zu punkten oder ein Gewinnspiel zu designen, bei dem jeder sagt „Wow“ – die perfekte Verbindung von Employer Branding/Personalmarketing und Gewinnspiel – und damit ist nicht gemeint, den Employer Brand von Apple zu stärken.

personalmarketing2null: Den Employer Brand von Apple :-). Schön gesagt, danke! Du mischst ja nun schon seit ein paar Jahren in der Suppe mit und konntest dich viel ausprobieren… Welchen Stellenwert misst du Pinterest bei, welches momentan ja gerade ziemlich gehypt wird?

Robindro: Ich weiß nicht so genau, wie ich es ausdrücken soll. Pinterest als Name messe ich noch keinen hohen Stellenwert im Breiten-Recruiting bei – u. U. in bestimmten Zielgruppen schon. Pinterest als Synonym für eine neue Form der Kommunikation hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Fotobasierte Netzwerke werden meiner Meinung nach auf Grund der sehr einfachen Sprache – ein Bild sagt mehr als tausend Worte – zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wer sich als Netzwerk durchsetzen wird, vermag ich nicht vorherzusagen. Wenn es Pinterest sein soll, würde ich einen Einstieg in Zukunft empfehlen, aber heute – wo es ausreichend Firmen gibt, die mit den „alten“ Netzwerken alle Hände voll zu tun haben und wo es noch jede Menge Luft nach oben gibt, würde ich mich erst mal auf diese konzentrieren. D. h. nicht, dass sich die Recruiter nicht trotzdem mit den neuen Trends (in diesem Fall Pinterest) auseinandersetzen müssen. Auch sollte man sich bereits heute eine Kommunikationsstrategie für bildbasierte Kommunikation zurechtlegen, aber diese gilt dann eben auch für Facebook, Twitter & Co.

personalmarketing2null: Robindro, noch eine letzte Frage: Was macht in deinen Augen eigentlich den Erfolg eines Engagements als Arbeitgeber im Social Web aus?

Robindro: Dialoge.

personalmarketing2null: Robindro, besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Vielen lieben Dank. Ich freue mich schon auf deinen Vortrag in Hamburg, der verspricht spannend zu werden!

Übrigens, außer Robindro gibt’s noch Ina Bourmer (Deutsche Telekom), Christian Heinen (Nordex), Karoline Steffens (E.ON) und Ireen Baumgart (OTTO) zu Themen wie Videointerviews, Online Assessment, Bewerbermanagement oder Active Sourcing zu hören respektive sehen. Und im Nachgang lecker Essen (ich hoffe, es wird auch an Vegetarier gedacht ;-)).

Der ultimative Leitfaden für mehr Sicherheit auf Facebook. Oder sagen wir so: Zumindest für den Moment

17. Juli 2012

Hier nun also wie versprochen der ultimative Leitfaden für mehr Sicherheit auf Facebook. Zumindest für den Moment. Denn wie wir alle wissen, ändert das launige Netzwerk aus Palo Alto gerne mal etwas, ohne uns User darüber zu informieren. Oder erst nach dem eine Änderung erfolgte. Wie ich beim Erstellen der Unterlagen festgestellt haben, haben sich schon alleine innerhalb der letzten 14 Tage ein paar klitzekleine Kleinigkeiten bei den Einstellungsmöglichkeiten geändert (und wenn es nur das „Wording“ betrifft). Also, Augen auf bei der Facebook-Nutzung.

Natürlich muss jeder selber wissen, was er auf Facebook von sich preisgibt. Insofern können das hier auch nur Anregungen sein. Ich kann nur empfehlen, die Einstellungen so rigide wie möglich zu halten. Denn sonst heißt es hinterher wieder: Uh, die SCHUFA ist so böse, die greift unsere Daten von Facebook ab.

Es sind IHRE Daten, liebe Leser und Sie bestimmen, was Sie von sich preisgeben. Und das sollten sich auch mal diejenigen hinter die Ohren schreiben, die kein Fan von Facebook Karriereseiten werden, weil der böse Personaler ihr Profil ausspähen könnte 😉

Update: Der Jormason von ffluid networks hat sich von mir inspirieren lassen und seinen eigenen ultimativen Leitfaden erstellt. Steckt viel Arbeit und Herzblut drin, daher hier als Add-on auch seine Sicht der Dinge!

Denn Sie wissen nicht was Sie tun: Was SCHUFA und Google mit Social Media Personalmarketing auf Facebook zu tun haben

16. Juli 2012

Unglaublich, schon wieder eine Woche her, dass ich Sie mit meinen geistigen und pädagogisch wertvollen Ergüssen bereichert habe. Da heißt es jetzt aber schleunigst nachlegen. Ich will mir doch nicht das nachsagen lassen, was ich vielen Unternehmen ankreide: Nämlich mit viel großem Bohei ins Social Media Abenteuer einsteigen und keine Taten folgen lassen. Das ist aufgrund beschränkter zeitlicher Ressourcen bzw. einer dringend überholungsbedürftigen Zeitrechnung manchmal gar nicht so einfach (ich meine, wir schreiben das Jahr 2012. Da wird es doch dringend mal Zeit, eine neue Zeitrechnung aufzumachen. Was spräche denn dagegen, wenn ein Tag 28 Stunden und eine Woche 8 Tage hätte? Es ließe sich so manches mehr schaffen). Nun denn, bis dahin muss ich mich wohl mit dem zufrieden geben, was bisher machbar ist. Aber das ist manchmal so einfach nicht. Schließlich wollen Konzepte erstellt, Seminare und Workshops gehalten und Blogs und Karriere-Websites umgesetzt werden. Und da, lieber geneigter Leser, muss man Prioritäten setzen. Und apropos Zeit: Die braucht es nun einmal für ein nachhaltiges Social Media Engagement. Zeit und viel Herzblut. Sonst bringt das eh alles nix. Und auch wenn es läuft, Ball flach halten ist nicht. Denn das schlägt sich sehr schnell nieder und lässt sich an der Resonanz der Community ablesen.

Aber ich schweife schon wieder ab, bevor ich auch nur ansatzweise darüber geschrieben habe, worum es heute eigentlich gehen soll. Es geht um Sie, lieber Leser. Genauer um Ihre Sicherheit. Noch genauer um Ihre Privatsphäre. Und darum, was die SCHUFA und Google mit Social Media Personalmarketing zu tun haben. Auf den ersten Blick mag das nicht viel sein, der ein oder andere mag sich nun an die Stirn fassen und sich fragen, was der Knabenreich da jetzt wieder für abstruse Theorien aufstellt. Abgesehen davon, dass so ein Artikel natürlich bedingt durch den Einsatz geschickt gesetzter Keywords in der Überschrift sehr gut bei Google zu finden sein dürfte (übrigens, das ist nicht unerheblich für den Erfolg und die Reichweite eines Blogs!), handelt es sich leider nicht um abstruse Theorien, sondern vielmehr um die nackte Realität.

Facebook und die Sache mit der SCHUFA

Also reden wir doch mal Tacheles. Ich weiß nicht, wer von Ihnen mitbekommen hat, was die SCHUFA neulich vohatte. Die SCHUFA kennen Sie, oder? Das ist die Institution aus Wiesbaden, der Sie Ihre Einwilligung erteilen, wenn es darum geht, einen Kredit in Anspruch zu nehmen. Oder einen Handyvertrag. Die Daten, die die SCHUFA sammelt, sind die, die Sie ihr freundlicherweise bei solchen Geschäftsanbahnungen übermitteln. Diese fließen dann in das so genannte Scoring ein – also grob in die Tüte gesprochen eine Art Punkteranking, aus dem dann wiederum hervorgeht, wie kreditwürdig Sie sind (genauer ist das eigentlich ein Wert von 1 bis 100, der dem jeweiligen Verbraucher zugeordnet wird und die statistische Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalles angibt). Aber letztendlich meint das ja das Gleiche). Teilweise ist das schon haarsträubend, welche Daten so ein Scoring beeinflussen.

Facebook und die Sache mit der Schufa

Facebook und die Sache mit der Schufa

Aber der SCHUFA reichten diese Daten nicht. Die wollte es noch genauer wissen. Und hatte eine großartige Idee: Man hatte in Wiesbaden von einem großen sozialen Netzwerk gehört, in dem die Nutzer auf leichtfertigste Art und Weise ihre Daten hinterlegen. Nahezu alles findet man da, was das Herz eines Datensammlers höher schlagen lässt: Name, Adresse, Schule, Arbeitgeber, Freunde, Vorlieben, Interessen, politische Gesinnung, Religion, Familienmitglieder, Beziehungsstatus etc. pp. Ich glaube, mehr muss ich Ihnen da nicht erzählen, schließlich sind Sie ja wahrscheinlich auch bei Facebook. Denn um genau dieses Netzwerk handelt es sich. Was wie eine Schnapsidee klingt, sollte tatsächlich umgesetzt werden, scheiterte aber letztendlich am Protest der Medien und Menschen (schade eigentlich, dass so etwas funktioniert, wenn es um Datenmissbrauch geht. Aber nicht, wenn es sich um Massentierhaltung, ESM, Atomkraft oder Gentechnik handelt. Immerhin, ein schwacher Lichtstrahl am Ende eines langen dunklen Tunnels). Man wollte wirklich sämtliche Nutzerprofile auswerten, um die Daten so zu verdichten, um seinen Kunden noch bessere Einschätzungen über die Kreditwürdigkeit zu geben. Fan von Bushido? Oha, das gibt Abzüge. Sie sind mit jemandem befreundet, der Mitglied der FDP ist? Herzlichen Glückwunsch! Sie lieben Motorsport? Eieiei, da gehören Sie einer Risikogruppe an. Bei Ihren Interessen haben Sie Louis Vuitton angegeben? Können Sie sich den Kram überhaupt leisten? Und so weiter und so fort.

Wie gesagt. Es ist nicht dazu gekommen. Vielleicht wertet die SCHUFA ja jetzt die Xing-Daten aus. Mit der neuen API sollte das ja wohl möglich sein. Aber Spaß beiseite. Möglich ist so ein Vorhaben nur, weil Sie so leichtfertig mit Ihren Daten umgehen. Ich weiß nicht, ob Sie es wussten: Aber wenn Sie sich bei Facebook anmelden, ist zunächst einmal alles öffentlich, was Sie in Ihr Profil eintragen. Alles. A-L-L-E-S. Sie sollten also im ersten Schritt, sofort nach dem Sie sich angemeldet haben, die Privatsphäre-Einstellungen vornehmen. Das ist immens wichtig. Sonst kann nämlich bald der nächste Adressenhändler oder Datensammler auf die gleiche Idee kommen, wie die SCHUFA. Es liegt an Ihnen, welche Daten da ausgewertet werden. Sie meinen, so blöd könne man ja gar nicht sein, dass man seine Privatsphäre-Einstellungen nicht entsprechend vornimmt? Ja, das denke ich auch immer. Aber leider zeigt die Praxis etwas anderes. Immer wieder.

Was Facebook-Nutzer davon abhält, Fan einer Facebook Karriereseite zu werden

Und genau das ist das Problem. Denn auf die Frage, was Facebook-Nutzer davon abhalten kann, Fan einer Karriereseite auf Facebook zu werden, äußerten über 70 % der Umfrageteilnehmer die Befürchtung, der Personaler könnte das Privatprofil ausspähen. Letztlich ist das sogar absolut korrekt. Natürlich kann er das. Aber abgesehen davon, ob der viel beschäftigte Personaler nun überhaupt die Zeit hätte, solche Profile auszuspähen, so liegt es einzig und alleine am Nutzer selbst, welche Daten denn überhaupt ausgespäht werden KÖNNEN. Machen wir doch mal kurz die Probe aufs Exempel. Ich schaue mal gerade bei den letzten zehn meiner neuen Fans, wie es dort um die Privatsphäre ausschaut. Moment, bin gleich wieder da!

So, ich bin zurück. Und muss sagen, es ist weitaus schlimmer, als ich das bei dieser kleinen Stichprobe befürchtet habe. Nicht einer hat sein Profil 100 %ig geschützt. Aber bei dreien sind wirklich alle Informationen einzusehen. Ich sehe die Pinnwand, die Fotos, die Interessen, die Freunde… Alles. Und kenne diese Person nicht einmal. Und was ich da sehe, kann jeder sehen. JEDER. Ist es Dummheit? Unwissenheit? Absicht? Es muss ja letztendlich wirklich jeder selber wissen, was er da auf Facebook macht. Aber ich bezweifle, dass es überhaupt viele wissen, was sie da tun. Und wer das alles mitbekommen kann. Das zeigen zumindest auch die Reaktionen in Seminaren, Vorträgen und Workshops, die ich auch zu dem Thema durchführe.

Wer meint, dass ich da wohl zu pessimistisch sei, dem sei ein Blick auf die Website „We know what you’re doing“ empfohlen.

We know what you are doing. And we think you should stop.

We know what you are doing. And we think you should stop.

Auf dieser Seite werden (natürlich anonym) in Echtzeit Beiträge von Facebook-Nutzern erfasst, die sich auf ihren persönlichen Profilen in aller Öffentlichkeit dazu äußern, dass sie ihren Boss hassen (Who wants to get fired), dass sie einen Kater haben (Who’s hungover?), wer Drogen nimmt (Who’s taking drugs?) und wer alles eine neue Telefonnummer besitzt (Who’s got a new phone number?). Das passiert tagtäglich. Auch Ihnen? Mittlerweile gibt es auch hierzulande Menschen, die Dank Facebook und einem allzu leichtfertigen Umgang mit dem sozialen Netzwerk (man könnte auch sagen: aufgrund himmelschreiender Blödheit) ihren Job verloren haben. Wobei, in einem Punkt kann ich Sie beruhigen. Die Website fragt derzeit nur englischsprachige Profile ab. Aber es wäre ein leichtes, das auch für deutschsprachige Posts einzurichten.

Und aufgrund dieser Tatsache gibt es hier demnächst jetzt den ultimativen Guide in Sachen Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook (zumindest für den Moment, der blaue Riese ist ja bekannt dafür, seine Einstellungen etc. auch mal zu ändern. Und das gerne über Nacht und ohne Vorankündigung :-)).

Ihre Facebook-Kommentare auf Google

Bevor ich das aber an anderer Stelle noch einmal aufgreife, noch ein weiterer Hinweis. Allerdings hilft beim Nachfolgenden auch eine rigide Einstellung der Privatsphäre nicht wirklich. Hier helfen nur gesunder Menschenverstand und das Bewusstsein, dass alles, was man im Internet von sich gibt, auch irgendwo wiederzufinden ist. Im Zweifelsfall also bei Google. Geben Sie doch spaßeshalber einmal bei Google folgendes in die Suchmaske ein:

site:facebook.com „Ihr Name“

Tun Sie mir bitte den Gefallen und ändern Sie das „Ihr Namen“ in Ihren Namen um. Um es noch plastischer auszudrücken werde ich das Ganze anhand eines praktischen Beispiels illustrieren:

site:facebook.com „Henner Knabenreich“

Google erkennt auch die Kommentare auf Facebookseiten. Und da hilft auch keine Privatsphäreeinstellung.

Google erkennt auch die Kommentare auf Facebookseiten. Und da hilft auch keine Privatsphäreeinstellung.

Was passiert? Google spuckt jeden Kommentar aus, den Sie irgendwann mal in Ihrer Facebook-Karriere auf irgendeiner Seite hinterlassen haben. Das betrifft im Übrigen eben nicht nur die, die Sie auf irgendwelchen Websites oder Blogs hinterlassen haben, sondern auch die, die Sie UNMITTELBAR auf Facecbook hinterlassen haben. Und zwar unabhängig von Ihrer Privatsphäre-Einstellung. Und je nach Privatsphäre-Einstellung sogar nicht nur welche, die Sie auf einer Seite, sondern auch sonstwo, also bspw. auf dem Profil eines Freundes, welches über die Google-Suche auffindbar ist, hinterlassen haben. Sollte es vom Inhalt also hart auf hart kommen, hilft nur ein Löschen des entsprechenden Posts. Es dauert allerdings eine ganze Weile, bis das Ergebnis aus dem Google-Cache verschwindet. Leider. Peinlich könnte das für solche Facebook-Nutzer werden, die sich allzu enthemmt in irgendwelchen Shitstorms geäußert haben. Ja, auch an seine eigene Reputation sollte man immer denken. Also erst denken, dann auf Facebook posten!

Im Übrigen ist auch diese Tatsache (zwar wohl weniger bewusst, aber dennoch klar nachzuvollziehen) ein weiterer Grund dafür, was Facebook-Nutzer davon abhält, Fan einer (Karriere-)Fanpage auf Facebook zu werden: 75 % der Befragten haben nämlich kein Interesse daran, private Infos auf Karriere-Pages zu teilen.

Volles Rohr Zukunft oder volles Rohr daneben? Ausbildungsmarketing im Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk

9. Juli 2012

Vor einigen Tagen wurde einer meiner Beiträge dahingehend kommentiert, wo denn meine kritische Perspektive bleibe. Bitte sehr, lieber Christoph! Wobei es mir wirklich schwer fällt, in welche Richtung ich heute schießen ich heute Transparenz schaffen soll. Ist es das (was eigentlich längst überfällig war) „Employer Branding-Video“ von Bayer (das sind die, die im Schatten von und in Kooperation mit Monsanto als größter euro­päi­scher Anbie­ter von gen­tech­nisch ver­än­dertem Saatgut und den zuge­hö­rigen Pes­ti­ziden dafür sorgen, dass unser (noch) grüner Planet noch früher ins Gras beißen wird), die definitiv beim schlimmsten Recruiting-Video ever (nein, das ist NICHT der BMW Praktikum-Rap, das ist „Oh, happy Day“ von Ernst & Young. DAS Fremdschäm-Video schlechthin, auf das ich dank eines großartigen Spiegel-Artikels über die vermeintlich schlechtesten Recruiting-Videos aufmerksam wurde) abgekupfert haben?

Oder ist es das neueste Gewinnspiel auf der Karstast Karriere-Fanpage? Unter dem Motto „100 % Du“ soll man dann noch mehr Infos von sich preisgeben, als Facebook sowieso schon an Daten von einem erfasst und kann ein Fotoshooting für Bewerbungsfotos gewinnen. Immerhin kein iPad. Die Reaktion lässt bis dato übrigens stark zu wünschen übrig. Nun, dank dieses Blogartikels wird sich die Popularität mit Sicherheit rasant erhöhen. Mache ich doch gerne ;-)!

Volles Rohr Zukunft oder eher Rohrkrepierer?

Nein, dieses mal soll es um eine Kampagne des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima gehen. Ein lobenswerter Ansatz  ist es ja, dass die verzweifelt um die jungen Fachkräfte buhlenden Unternehmen sich mit entsprechenden Berufsinformationsseiten auf sich und die Berufe aufmerksam machen. Aber wie immer geht es nicht um das OB, sondern um das WIE.

Rufen wir also einmal die Website „Volles Rohr Zukunft“ auf:

Volles Rohr Zukunft oder Rohrkrepierer?

Volles Rohr Zukunft oder Rohrkrepierer?

Gegen einen One- oder auch Single-Pager an sich ist ja nichts einzuwenden. Aber horizontales Scrollen? Schon sehr gewöhnungsbedürftig. Auch ist die Nutzerführung auf der Seite alles andere als intuitiv. Abgesehen davon, dass natürlich auch die Inhalte nur horizontal und nicht vertikal zu erfassen bzw. betrachten sind (auch werden die Inhalte bzw. hinterlegten Grafiken nicht kontinuierlich angezeigt. So fehlt bspw. beim nachfolgenden Video das Bild auf der Startseite. Es wollte partout, auch mit Engelszungen und auf Knien angefleht, nicht laden…).

Alleine für die Aufbereitung und mangelhafte Nutzerführung bekäme diese Seite ein glattes „Mangelhaft“ von mir. Aber das ist nicht der eigentliche Stein des Anstoßes, der diesen Blogartikel nachgerade provoziert.

Mit Bewerbungs-Generator in die Zukunft als Sanitär-Heizung-Klima-Azubi?

Vielmehr ist es der so genannte Bewerbungs-Generator. Meine erste Reaktion: WTF?? Meine zweite im Übrigen auch. Aber schauen wir uns den Bewerbungs-Generator mal genauer an. Übrigens, wer jetzt denkt, dass es sich bei einem Bewerbungs-Generator eben um einen solchen handelt, liegt genau richtig.

Toll, oder? Da hat das Handwerk nicht nur mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, sondern auch mit – drücken wir es mal vorsichtig aus – faulen und aufgrund von Social Media in Bezug auf die Rechtschreibfähigkeiten arg verkümmerten Jugendlichen. Was liegt da näher, diese Problematik proaktiv anzugehen und Bewerbungen à la Schema F zu ermöglichen – Bewerbungs-Generator sei Dank 🙂

Da heißt es dann sehr schön: „Unser Bewerbungs-Generator führt dich in vier Schritten zu deinem persönlichen Bewerbungsschreiben“. Stellt sich mir die Frage: Wie persönlich kann ein standardisiertes Anschreiben eigentlich sein. Bzw. ist das Ganze nicht ein Widerspruch an sich? Persönlich und standardisiert?

Wie auch immer, in Schritt 1 wähle ich den jeweiligen Ausbildungsberuf, in Schritt 2 gebe ich meine Kontaktdaten ein (auch das Alter ist ein Pflichtfeld, Stichwort AGG), in Schritt 3 gebe ich die Schule, den (eventuellen) Abschluss sowie ggf. absolvierte Praktika ein, in Schritt 4 gebe ich Hobby und Lieblingsschulfächer ein und zum Abschluss erhalte ich dann… Ja, was eigentlich?

Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zum Klempner

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bewerbe ich mich um einen Ausbildungsplatz zum Klempner. Ihr Ausbildungsprogramm sowie Ihr Ruf als erfolgreiches Unternehmen haben mein Interesse geweckt.

Ich bin 18 Jahre alt. und besuche zur Zeit [bitte Eingabe prüfen]. Die Fächer [bitte Eingabe prüfen] begeistern mich sehr. Zu meinen Hobbys zählen [bitte Eingabe prüfen].

Das weite und interessante Betätigungsfeld des Klempners reizt mich sehr. Die Verarbeitung unterschiedlicher Bleche und Metalle finde ich ebenso spannend wie den Umgang mit modernen Maschinen. Umweltschutz und Kundenorientierung sind mir dabei sehr wichtig. Die Kombination aus Werkstatt und Montage am Bau verspricht einen abwechslungsreichen Berufsalltag.

Ich bringe große Motivation sowie die notwendige Sorgfalt für den Beruf des Klempners mit. Zudem bin ich eine offene und kontaktfreudige Person, die sich gerne neuen Herausforderungen stellt.

Über eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
(Quelle: Bewerbungs-Generator von Volles-Rohr-Zukunft)

Abgesehen davon, dass ich nicht weiß, was mit meinen Daten passiert (ein Hinweis dazu fehlt vollständig), ist es schon irgendwie lustig. Ich beschäftige mich schon seit 2003 mit dem Thema Online-Recruiting. Und während in der Anfangsphase des E-Recruitings kritische Bewerber bemäkelten, dass bei den Online-Bewerbungsformularen die Kreativität beim Anschreiben auf der Strecke bleibe, sorgt man heute fast 10 Jahre später mit Bewerbungs-Generator für absolute Gleichförmigkeit. Wird also die Bewerbung bei Gas-Wasser-Scheiße-Unternehmen (tschuldigung, das kommt nicht von mir, das kommt von Werner) demnächst überall gleich ausfallen?

Ist es wirklich Sinn und Zweck, Bewerber zu „entmündigen“ und sie von jeglicher Selbstständigkeit zu entbinden? Ist es das, was die Generation Z wirklich will? Nun ja, die suchenden Unternehmen atmen wahrscheinlich auf und freuen sich, dass sie überhaupt Bewerbungen bekommen. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Seite entsprechend kommuniziert wird. Und wer soll das tun? Der Berufsberater beim Arbeitsamt? Wohl kaum. Der Berufsorientierungsunterricht in der Schule? Glücklich der, dessen Schule so etwas überhaupt anbietet. Das nächstliegende wäre ja auch ein prominent platzierter Hinweis auf der Seite des Zentralverbandes. Könnte ja durchaus sein, dass der eine oder andere Interessent (z. B. ein Elternteil) darüber stolpert. Aber wahrscheinlich ist einem der Auftritt dort selbst schon peinlich und man möchte am liebsten nicht damit in Verbindung gebracht werden ;-).

Soll das wirklich so sein, liebes Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk? Wollt ihr das wirklich? Oder wurde hier mal wieder nicht zu Ende gedacht? Den Anschein hat es ja, betrachtet man alleine die Website, die nicht nur von der Navigation ein absolutes No go ist, sondern darüber hinaus viel zu langsam und auch nicht alle Inhalte ständig lädt.

Es heißt ja „Volles Rohr Zukunft! Dreh auf und geh ab in einem von vier Ausbildungsberufen“. Ich würde eher sagen: „Geh‘ drauf und dreh‘ ab“, oder kurz: Ein voller Rohrkrepierer.

Übrigens, bei aller Kritik, einen positiven Aspekt will ich doch mal nennen: Es gibt von der Seite allen Ernstes eine mobile Variante! Immerhin verzichtet man also auf eine dieser unsäglichen mobilen Job Apps, die ohnehin so überflüssig sind wie ein Kropf oder ein Krebsgeschwür – oder um bei oben benannten Konzernen zu bleiben: Wie genmanipuliertes Getreide.

Brose Karriere geht unter die Dichter und sagt Danke. Und wie!

6. Juli 2012

Es gibt Tage (insbesondere Freitags), da möchte man am liebsten, dass es Facebook mit seinen Karriereseiten nie gegeben hätte, so viel Einfallslosigkeit und Plattitüden schwappen einem da regelmäßig entgegen… Natürlich ist es schön, wenn Freitag ist und das Wochenende beginnt. Aber muss man das wirklich alle naselang der Community unter die Nase reiben? Gibt es denn sonst nichts zu berichten?

TGIF - oder auch nicht. Man kanns auch übertreiben...

TGIF – oder auch nicht. Man kanns auch übertreiben…

Und es gibt Tage, da macht es richtig Spaß, die Aktivitäten von Unternehmen und Akteuren zu erleben, die wirklich zeigen, wie viel Spaß sie an dem haben, was sie machen und wie viel Herzblut sie in ihr Social Media Engagement investieren. Gestern war mal wieder so ein Tag, wo man das erleben durfte. Lukas Zulehner, seines Zeichens Kopf hinter der Brose Karriere-Facebookseite, freute sich über 1.500 Fans und brachte seine Wertschätzung spontan und authentisch mit einem Gedicht zum Ausdruck.

Lukas Zulehner von Brose Karriere sagt danke

Lukas Zulehner von Brose Karriere sagt danke

Nun mag man über das Versmaß streiten und ob sich „hatten“ wirklich auf „Like-Button“ reimt. Aber was zählt, ist der Inhalt. Denn das Gedicht hat sehr wohl eine Botschaft. Und die ist so schön verpackt, dass ich sie meinen Lesern nicht vorenthalten will. Daher hier weltexklusiv das Fan-Gedicht zum Nachlesen!

Viel Spaß, TGIF und schönes Wochenende!

Ein Fan-Gedicht 😉

Es war einmal vor gut nem Jahr, da war plötzlich Brose Karriere da.

Als zusätzliches Karriere-Tool, fanden wir‘s schnell ziemlich cool.

Am wichtigsten ist der richtige Ton, Facebook besteht ja hauptsächlich aus Kommunikation.

Als Unternehmen spontan auch ab und zu, boten wir den Fans gleich an das Du.

Die Seite anfangs noch ein Zwerg, existierte fortan dank Zuckerberg.

Die größte Sorge die wir hatten, war die mangelnde Nutzung des Like-Button.

Es freut uns wie es dann so kam, manch einer wurde auf uns aufmerksam.

Wir waren außer Rand und Band, nach dem ersten Post auf unsrer Pinnwand.

Noch unsicher ob es euch gefällt, haben wir unsren Content online gestellt.

Manchmal kam auch ein wenig Wirbel rein, z. B. durch die neue Timeline.

Schnell war der Entschluss gefasst und wir haben die Seite entsprechend angepasst.

Zum Glück ist es dann auch passiert, ihr habt fleißig geliked und kommentiert.

Eine Facebook Seite überlebt meist nie, ohne die entsprechende Community.

Umso mehr sind wir so richtig froh, über eure Fragen und das Post-Niveau.

Und macht bitte weiter wie bisher, denn ohne euch gäb‘s kein Brose Karriere mehr.

Ihr seid jetzt 1500 an der Zahl, das lässt uns natürlich keine Wahl.

Daher können wir euch nur eines sagen, wir sind hocherfreut in diesen Tagen.

Fünfzehnhundert sind ne Bank, drum sagen wir ich euch ganz vielen Dank.

Wir freuen uns über jeden Fan, auch wenn ich nicht jeden persönlich kenn‘.

Wie’s weiter geht das werden wir seh’n, ich würd gern mit euch über die 2000 gehen.

Ich hoff‘ ich hab ganz gut erkannt, was für euch Fans ist interessant.

Nun komm ich zum End mit dem Gedicht, denke es hat euch gefallen oder auch nicht,

ich hoffe es kostet mich nicht Kopf und Kragen, denn ich wollte einfach nur danke sagen.

In diesem Sinn dann macht‘s mal gut, auf dass ihr weiterhin so brav posten tut!

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